Das Usenet entstand 1979 als Plattform der Naturwissenschaftler und Techniker und ist es auch noch heute.
Als das Internet noch dem amerikanischen Militär vorbehalten war, bot sich das unabhängige Protokoll des Usenet für den wissenschaftlichen Austausch geradezu an. Als das Internet für den nichtmilitärischen Gebrauch geöffnet wurde, wurde das Usenet auf TCP/IP umgestellt und war nun weltweit die naturwissenschaftliche Plattform schlechthin. Auch das Aufkommen des World Wide Web in den frühen 90igern änderte daran nichts.
Noch immer ist das Usenet die naturwissenschaftliche Plattform Nr. 1.
Im Gegensatz zum Web bieten die Themen-Newsgroups eine im Web nicht erreichbare Konzentration der Diskussionen. Alles, was zu einer bestimmten Thematik gehört, findet sich in der dazu bestimmten Newsgroup, statt auf Hunderten konkurrierender Webseiten. In die Textnewsgroups der Big Eight, des eigentlich wissenschaftlichen Usenets, sollen auch nur Textnachrichten gepostet werden. Bilder, Filme und PDF Dateien sind in diesen Newsgroups unerwünscht, der Traffic ist auch ohne Binär-Dateien hoch genug, sodass immer mehr kostenlose Newsserver geschlossen werden oder die Zahl der verfügbaren Newsgroups auf den verbleibenden kostenlosen Newsservern ebenso wie die Retention radikal reduziert werden.
Deshalb haben viele der Wissenschaftler, die sich aktiv am Usenet beteiligen, die Chance der Binary Newsgroups noch gar nicht erkannt. Wenn Bilder oder gar Filme einen Beitrag erläutern sollen, weicht man auf das Web aus. Dabei eignet sich das Usenet mindestens ebenso gut zur Ergänzung eines Textbeitrags mit Binärdateien. Besonders bei größeren Dateien ist es einem Webserver sogar deutlich überlegen. Passwortgeschützte RAR-Archive erlauben sogar die Verteilung an einen ausgesuchten Leserkreis.
Viele der im Usenet aktiven Wissenschaftler sahen bereits die Einrichtung der alt.-Hierarchie mit Skepsis, waren geradezu erbost, als AOL 1993 einen Newsserver für das breite Publikum einrichtete, und wehrten sich erst recht gegen die Binaries, die plötzlich im Usenet auftauchten. Doch die Uhr lässt sich nicht zurückdrehen.
Das Usenet ist keine rein naturwissenschaftliche Angelegenheit mehr, es dient dem weltweiten Austausch aller Bevölkerungsschichten. Das Usenet hat sich aus dem universitären Bereich emanzipiert. Statt darüber zu schimpfen, könnten die einmaligen Gegebenheiten des Usenet auch von denen genutzt werden, die das Usenet aus seinen spartanischen Anfängen entwickelten.
Gerade die Entwicklung der Binary Codierung für das Usenet hat dem Usenet ungeahnten Auftrieb gegeben. Das könnten auch Wissenschaftler und Techniker für sich nutzen. Technische Zeichnungen, Versuchsaufbauten, Filme, die Experimente im Ablauf zeigen, PDF-Dateien und vieles andere mehr lassen sich über das Usenet in bester Qualität verteilen.
Doch müssen sich die bisher kostenlosen Newsserver dazu neue Modelle einfallen lassen, denn es ist klar, dass der dadurch entstehende Traffic wie auch die erforderlichen Newsserver-Kapazitäten nicht gratis einem breiten Publikum angeboten werden können.
In vielen, gerade wissenschaftlichen Bereichen, ist das Usenet mehr als nur einen Alternative zum Web. Es ist nicht wegdenkbar. Doch die Chancen, die sich aus einer Vernetzung des Web und des Usenet ergeben, hat bisher, wenn überhaupt, nur Google mit Google Groups genutzt. Hier ist noch ebenso viel Entwicklungsspielraum wie in der Vernetzung der Textnewsgroups mit den Binary Newsgroups.