Bereits zu seinem Start 1979 war das Usenet die Plattform der Naturwissenschaftler. In den Folgejahren entwickelte sich das Usenet zur Plattform schlechthin für die Natur- und technischen Wissenschaften. Die Big Eight des Usenet sind auch heute noch, trotz Web, die wichtigste Plattform für den wissenschaftlichen Austausch.
Wie kommt es, dass die anscheinend antiquierte Technik des Usenet dem Web in vielen Bereichen überlegen ist?
Das Usenet ist im Gegensatz zum Web ein wirklich freies Medium. Es ist durch und durch nicht kommerziell, auch wenn der Zugang zum Usenet in seiner ganzen Fülle heute meist etwas kostet. Die Kosten des Zugangs erklären sich aus der erforderlichen Technik. Selbst die Newsserver der Universitäten sind nurmehr einem ausgewählten Personenkreis kostenlos zugänglich.
Das Web entwickelte sich bereits sehr früh zu einer Fülle konkurrierender Angebote. Der Betrieb von Webseiten kostet Geld, gut gemachte Webseiten mit hohen Besucherzahlen bringen auch viel Geld. Das führt jedoch auch dazu, dass es nur wenige Projekte im Web gibt, die eine bestimmte Thematik umfassend behandeln. Das Zusammensuchen von Informationen im Web kann nicht nur sehr mühsam sein, sondern auch sehr kostspielig.
Das Usenet kennt weder diese Konkurrenz noch kommerzielle Auswertung.
Das Usenet bietet in seinen 9 Hierarchien und seinen mehr als 100 000 Newsgroups thematisch klar gegliederte Strukturen, die untereinander nicht in Konkurrenz stehen. Jede Newsgroup steht für ein definiertes Thema. Name, Charta und gegebenfalls eine FAQ regeln den Inhalt der Newsgroup.
Die Newsgroups ermöglichen nicht nur die schnelle Orientierung, sondern bieten geballtes Wissen zur jeweiligen Thematik. Newsgroups erlauben nicht nur den lesenden, sondern auch den schreibenden Zugriff der User. Fragen werden meist schnell und kompetent von anderen Usern beantwortet. Diskussionen erreichen ein Niveau, das es in dieser hohen Qualität kaum irgendwo im Web gibt.
In den vielen Newsgroups, die Hard- und Softwarefirmen eingerichtet haben, werden Fragen von hochqualifizierten Mitarbeitern dieser Firmen beantwortet. Da im Usenet alles öffentlich ist, kann es sich keine dieser Firmen erlauben, schlechten Support zu liefern, wie das leider bei Hotlines und auch im Email-Support längst üblich geworden ist.
Die spezielle Technik des Usenet, die den gesamten Inhalt des Usenet auf allen teilnehmenden Newsservern innerhalb der jeweils vom Newsserver abonnierten Newsgroups spiegelt, sorgt auch für die schnelle weltweite Verbreitung selbst umfangreichster Datenmengen. Wer sich den gegenwärtigen durchschnittlichen täglichen Upload von mehr als 3 Terabyte in Form von 10 Millionen Postings vor Augen hält, mag die Leistungsfähigkeit des Usenet vielleicht ermessen.
Das ist nur möglich, weil die User des Usenet für den durch sie verursachten Traffic auch selbst zahlen. So haben auch unbekannte Künstler eine gute Chance, ihre Werke weltweit zu verbreiten und so auf sich aufmerksam zu machen, ohne Kosten für schnellen Webspace, ohne Sorge um gute Plätze in Suchmaschinen und was es sonst noch alles an Hürden im Web gibt.