Digitale Dateien lassen sich ohne Qualitätsverlust beliebig oft kopieren. Das ist ein Grundproblem des Urheberrechts im digitalen Zeitalter.
Es gibt nur noch wenige Kunstwerke, die sich nicht 1:1 digital kopieren lassen, insbesondere im Bereich der bildenden Kunst. Gemälde und Skulpturen lassen sich zwar abfotografieren und die Fotos wiederum beliebig digital vervielfältigen, doch wird es, selbst bei Weiterentwicklung der Laserprojektionstechniken, auch in Zukunft nur ein Original geben.
Die Musikindustrie läutete das digitale Zeitalter ein.
Man war sich, als man sich entschied, auf die CD anstelle der herkömmlichen Schallplatte zu setzen, sehr wohl in der Musik-Industrie bewußt, dass damit auch beliebig viele Kopien ohne Qualitätsverlust gezogen werden können. Das Thema wurde damals heiß und kontrovers in der Industrie diskutiert.
Doch die Einsparungen in Herstellung, Lagerung, Transport und Vertrieb waren so verlockend, dass man die damals eingeschätzten Verluste durch digitale Kopien billigend in Kauf nahm. CD's lassen sich billiger pressen als Schallplatten, brauchen weniger Lagerraum, gehen nicht so leicht zu Bruch wie eine Schallplatte, um nur einige Punkte des Einsparpotentials zu nennen.
Man akzeptierte auch den Qualitätsverlust der CD gegenüber Schallplatten und stellte großsprecherisch die Vorteile der CD heraus. Angebliche Unempfindlichkeit gegenüber Kratzern und Verschmutzung, deutlich höherer Dynamikumfang und kein Verschleiß durch das Abspielen, den man bei einer Schallplatte auch bei hochwertigsten Abtastsystemen hinnehmen muss.
Dass eine Viola plötzlich nicht mehr weich,sondern schrill klingt, weil bei der CD alle Obertöne oberhalb 20.000 Herz abgeschnitten werden, verschwieg man. So feiert die gute alte Schallplatte denn auch bei Liebhabern klassischer Musik inzwischen eine Renaissance.
Als die immer höheren Bandbreiten des Internets den problemlosen Tausch digitaler Dateien zuließen, erkannte man in der Musikindustrie die Gefahr und versuchte gegen zu steuern, indem man selbst einzelne Titel eines Albums im Web zum Kauf anbot. Erneut nahm man Qualitätsverluste hin, denn eine mp3 ist gegenüber einer CD nochmals erheblich eingedampft, der Unterschied ist bei klassischer Musik deutlich zu hören.
Der Vertrieb der Musikindustrie verlagert sich mehr und mehr auf Webseiten statt dem Verkauf von CD's. Umso erstaunlicher, dass der Kauf aller Titel eines Albums im Web deutlich teurer wird als der Kauf der CD. Der gesamte Gewinn fließt beim Verkauf über das Web der Musikindustrie zu. Gewinnspannen der Importeure, des Groß-und Einzelhandels fallen gänzlich weg. Ebenso Press-, Lager- und Transportkosten. Man braucht nur noch einen leistungsfähigen Webserver. Doch die zusätzlichen Gewinne werden weder den Urhebern noch den Käufern zugänglich gemacht. Die Musikindustrie benutzt diese Gewinne unter anderem zu Kampagnen gegen Raubkopierer und für ihre Lobbyarbeit in den Parlamenten, durch die eine stetig strengere Handhabung des Urheberrechts und zunehmende Überwachung des Einzelnen erreicht wird.
Wer sich Musik im Web kauft, bezahlt die Musikindustrie gleich doppelt. Neben den Kosten des Kaufs bezahlt er auch noch eine Urheberrechtsabgabe auf die CD's, auf die er die im Web erworbene Musik brennen muss, wenn er nicht ständig seine Festplattenkapazitäten erweitern will. Dazu kommen dann wohl auch noch Urheberrechtsabgaben auf den PC und den Brenner.
Dass es die Musikindustrie auch den Raubkopierern immer leichter macht, indem sie die Musik als mp3 ins Web stellt, die man dann gleich wieder per Bittorrent, Emule und anderen Tauschbörsen oder eben über das Usenet nun kostenlos anbieten kann, nimmt sie auch hin und versucht dieses naheliegende Verhalten von Millionen rechtschaffener Bürger zu kriminalisieren. Darin wird sie bereitwillig von den Parlamenten jener Staaten unterstützt, in denen sie über eine mächtige Lobby verfügt.
Die Filmindustrie folgt ihr
Auch hier waren es Einsparungen, die zur zunehmenden digitalen Verarbeitung führten. Einsparungen der Filmindustrie, nicht der Filmtheater, wohlgemerkt. Es gibt praktisch keinen Film mehr, der nicht digital nachbearbeitet wird, bevor er erneut auf 35mm Film belichtet und in den Kopierwerken kopiert wird.
Hoffnungsvolle Anfänge einer deutlich besseren Qualität mit 70mm Film wurden aus Kostengründen wieder fallen gelassen. Die Qualität eines 70mm Film auf großer Kinoleinwand wäre auch auf absehbare Zeit mit keiner noch so aufwendigen Heimkinotechnik zu schlagen.
Statt dessen haben Kinofilme heute eine Qualität, die sich bereits mit normaler Konsumertechnik auch ins heimische Wohnzimmer holen läßt. Warum also noch ins Kino gehen?
In Zukunft sollen Filme auch digital per Internet an die Kinos verteilt werden. Damit fallen enorme Kosten für Filmkopien, deren Transport und Versicherung weg. Die entsprechende Projektionstechnik im Kinomassstab werden sich nur wenige, gut besuchte Großstadtkinos leisten können. Nach dem Sterben der Schallplattengeschäfte und der Videotheken kommt dann das große Sterben der Kleinstadtkinos.
Die Projektionstechnik der hochauflösenden Filme gibt es längst im Konsumerbereich. Was liegt näher, als diese dann bereits digital verfügbaren Filme ebenso wie bereits Musik über die diversen Tausch-Netzwerke inklusive dem Usenet zu verteilen?
Es wird, allen Strafandrohungen und Kriminalisierungsversuchen zum Trotz, ebenso unweigerlich kommen, wie es bei Musik bereits gang und gäbe ist.
Kultur nur noch in Ballungsräumen?
Die Telekom macht hier in Deutschland sehr deutlich, dass sie Gewinne einfahren will. In vielen Gebieten des flachen Landes gibt es immer noch kein DSL, z.B. muss die Firma Elbracht sogar das recht dicht besiedelte Gebiet zwischen Darmstadt und Mannheim per Richtfunk mit DSL versorgen, weil die Telekom an einem Ausbau der Netze nicht interessiert ist. Investiert wird in die lohnenderen Ballungsräume. Im Odenwald zwischen Darmstadt und Heidelberg gibt es vielerorts noch nicht einmal per Richtfunk DSL. Mit analogen Telefonleitungen lassen sich keine größeren Dateien aus dem Internet ziehen, Kosten und Zeitaufwand stünden in keinem Verhältnis.
Gleichzeitig werden weitere Kinos schließen.
Die Herausforderung des digitalen Zeitalters
Das digitale Zeitalter sollte Kultur und Information eigentlich für jeden, der in einem der westlichen Industriestaaten lebt, mühelos zugänglich machen, unabhängig von seinem Wohnort.
Bei digitalen Dateien gibt es keinen Unterschied zwischen Original und Kopie. Im digitalen Zeitalter versagen herkömmliches Urheberrecht und herkömmliche Vertriebsmethoden. Neue Modelle müssen gefunden werden. Gerade die Musik- und Filmindustrie wäre gut beraten, die Herausforderung anzunehmen und statt Lobbyarbeit in den Parlamenten, Geld und Kreativität in die Entwicklung neuer Vertriebswege zu investieren.
Es könnte sein, dass sich die Musikindustrie bald selbst überlebt, denn Web und noch mehr das Usenet bieten den Urhebern selbst ohne zwischengeschaltete Industrie beste Voraussetzungen für den Vertrieb.
Doch die Filmindustrie muss sich dringend etwas einfallen lassen, will sie auch in Zukunft nicht nur B-Klasse Produktionen für Fernsehen und DVD-Vertrieb, sondern auch großes Kino herstellen. Großes Kino kostet auch großes Geld, das die Filme auch wieder einbringen müssen. Wenn sich jedoch das Geschehen immer stärker aus den Kinos in die Wohnzimmer verlagert, muss das Geld dann eben dort und nicht mehr sosehr an den Kinokassen verdient werden.
Kulturpauschalen als Ersatz der alten Vertriebswege?
Zumindest im Bereich der GEZ denken Politiker schon länger darüber nach. Völlig zu Recht, denn die GEZ entpuppt sich ebenso wie die GEMA zunehmend als ein Instrument der Willkür mit hoheitlicher Gewalt. Da es um viel Geld geht, ist beiden Institutionen nahezu jedes Mittel recht, um noch mehr Einnahmen zu erzielen.
Der Bereich des Gesundheitswesens ist in fast allen westlichen Industrienationen ein Bereich mit pauschalen Abgaben. Wie diese berechnet werden und mit welchen Schlüsseln das Geld an die Leistungserbringer verteilt wird, ist zwar in den einzelnen Ländern unterschiedlich und mehr oder minder erfolgreich geregelt, doch das Prinzip ist mit der Ausnahme USA im wesentlichen identisch.
Warum sollte sowas nicht auch im Kulturbereich funktionieren? Im Gesundheitswesen geht es um ungleich höhere Summen als in der Kulturindustrie und es funktioniert. Da, insbesondere bei Verteilung von Dateien über Web und Usenet, Leistungserbringung und Leistungsverbrauch nicht unbedingt im selben Land erfolgen, sollten von vorneherein internationale Modelle und Standards gefunden werden. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Die Industrie hat noch nie Probleme mit der Verabschiedung international gültiger Standards gehabt.
Die neue, alte, wiederentdeckte Einnahmequelle der Musiker
Man kann auch mit Konzerten richtig gutes Geld verdienen. Gerade das digitale Zeitalter mit seiner einseitigen Kommunikation über digitale Medien und der daraus entstehenden Kontaktarmut lässt Gemeinschaftserlebnisse auch neu erblühen.
Kneipen, Konzerte oder auch der Kinobesuch bieten sich an.
Musiker, die durch Web oder Usenet genügend bekannt wurden, verdienen viel Geld auf Tourneen. Auch Theater werden wieder stärker kommen, denn nur von virtuellem Erleben können wir Menschen auf Dauer sowenig leben wie von virtuellen Mahlzeiten. Für das Echte, Ursprüngliche gibt es nun mal keinen Ersatz. Sowenig, wie das Fussballspiel im Fernsehen die Atmosphäre des Stadions ersetzen kann.
Studiobands, die im Auftrag der Musikindustrie Musik poduzieren, die nach Marktforschungsuntersuchungen komponiert wurde, sind kein Ersatz für echte Kreativität. Sie mögen gut genug sein, um sich per Radiosendung seicht berieseln zu lassen, doch hinterm Ofen locken sie niemanden hervor.
Web und Usenet schaffen Räume für neue Kreativität, die nicht dem Diktat der Manager und Meinungsmacher unterworfen sind. Web und Usenet schaffen Räume für echte Demokratie.
Klar, dass Leuten, die an ihren Machtpositionen kleben, dies keine verlockende Aussicht ist.